Heutzutage leiden viele Menschen an der Darmerkrankung: Reizdarm, die als sogenannte Modediagnose bekannt ist. Aber was ist eigentlich Reizdarm genau?

Wir, Ärzte, nennen es „ funktionelle Darmbeschwerden“, das heißt, dass die Funktion des Darmes gestört ist und wir dabei keine organischen oder körperlichen Ursachen feststellen können. Deshalb kann es lange dauern, bis Reizdarm diagnostiziert wird.

Die typischen Symptome:
Verstopfung
Durchfall
Bauchschmerzen und Krämpfe
Vollgefühl und Blähbauch
Schleimiger Stuhl

Die oben genannten Symptome können sich aber häufig hin und her wechseln, manchmal sogar mehrfach am Tag. Diese Erkrankung ist belastend, aber nicht lebensgefährlich und bei langem Bestehen kann es zur starken psychischen Belastung und zur Depression führen.

In der heutigen Medizin sind leider die genauen Ursachen des Reizdarmes noch nicht eindeutig klar. Früher wurden zum Beispiel die psychosomatischen Faktoren und Stress als Ursache genannt. Die aktuellen Forschungsergebnisse dagegen zeigen, dass die Patienten mit Reizdarm Veränderung an der Darmflora (Vielfalt der Darmbakterien) und an der Darmschleimhaut aufweisen.
Es wurde ebenfalls nachgewiesen, dass die Darmschleimhaut unter Einfluss der ungesunden Ernährung, Umweltgifte oder Entzündungen kleine Defekte bildet. Hier handelt es sich um „leaky gut“ oder um das Syndrom des durchlässigen Darmes. Durch diese kleinen Defekte greifen die Darmbakterien die ungeschützten Darmwände an, was die Symptome des Reizdarmes erklärt.

Außerdem wird durch die gesteigerte Aktivität des eigenen Nervensystems des Darmes auch die Darmtätigkeit übermäßig stark wahrgenommen und durch Übermaß an gasbildenden Bakterien kommt es zu starken Blähungen, Blähbauch und Krämpfen.

Der Stress in jeglicher Form gilt als wichtiger Auslöser bei dieser Erkrankung und verstärkt die Symptome des Reizdarmes.

Was muss man machen?

Als Erstes muss eine andere ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen werden ( z.B. entzündliche Darmerkrankung, Krebs, etc ). Daher ist die Blut-, Stuhl- und Urinuntersuchung zwingend notwendig. Mithilfe der Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes werden z.B. Gallensteine oder andere Erkrankungen ausgeschlossen, welche die gleichen Symptome haben. Durch Darmspiegelung und ggf. Magenspiegelung werden Darm- oder Magenentzündungen oder Krebs ausgeschlossen. Außerdem gibt es einige gynäkologische und urologische Erkrankungen, welche die gleichen Symptome wie ein Reizdarm zeigen (z.B. Ovarialkarzinom macht wässrige massive Durchfälle). Aus diesem Grund sollten die Patientinnen ihren Gynäkologen konsultieren, bei den männlichen Patienten sollte manchmal eine urologische Vorstellung erfolgen.
Wenn die o.g. Untersuchungen unauffällig waren, empfiehlt sich dann eine Abklärung der möglichen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (H2-Atemtest oder Bluttest auf Histamin oder Glutenunverträglichkeit). Anschließend empfehlen wir Ernährungsberatung und Versuch mit FODMAP Diät.
Therapie mit ätherischen Ölen ( Pfefferminzöl, Schwarzkümmelöl, Fenchel oder auch Kamille ) können beruhigend und lindernd wirken.
Krampflösende Medikamente ( s.g. Spasmolytika ) Bei Verstopfung können die milden Abführmittel ( s.g. Laxativa ) helfen. Eine Untersuchung des Stuhls auf Veränderung der Darmflora und der möglichen „leaky gut“ verhilft der gezielten Therapie zum Aufbau der gesunden Darmflora und der Darmbarriere. Die Therapie ist zwar langwierig (mindestens 8-12 Woche), zeigt aber sehr gute Erfolge.

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