Ernährung bei Darmkrebs - Dr. Eduard Karsten erklärt

Ernährung bei Darmkrebs

-Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Die große Menge an Ernährungsempfehlungen

Wie schon in vielen meiner Blogs und auch Videos erklärt, ist die Darmkrebserkrankung eine der häufigsten Krebsarten überhaupt. Allein in Deutschland kommen jährlich über 60.000 neue Darmkrebserkrankungen dazu. Mittlerweile gibt es Tausende Empfehlungen in Artikeln, Büchern, Zeitschriften und sogar Netflix Serien darüber, wie man sich im Falle einer Darmkrebserkrankung am besten ernähren sollte. Aber was hat es wirklich mit diesen zahlreichen Empfehlungen auf sich und wie sollte man sich aus wissenschaftlicher Sicht bei einer Darmkrebserkrankung ernähren? Diese Fragen möchte ich gerne in diesem Beitrag beantworten.

Zunächst sollte die Aussage getätigt werden, dass es aktuell nur sehr wenige bis keine wissenschaftlichen Beweise gibt, die zeigen, dass bestimmte Ernährungsweisen zu Darmkrebserkrankungen führen. Auch wenn es mittlerweile diverse Studien und Berichte gibt, besteht keine wissenschaftliche Überzeugung. Ein Gerücht, das noch vor ein paar Jahren durch die Nachrichten kursierte, war, dass Light-Getränke, also Getränke mit künstlichem Zucker, extrem krebserregend sind. Zwar ist bewiesen, dass diese Art von künstlichem Zucker in vielen anderen Bereichen äußerst schädlich für den menschlichen Körper ist. Einen Grund für eine Krebserkrankung stellt diese Art von Zucker allerdings nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand nicht dar.

Das Heilfasten nach Buchinger

Aktuell gibt es vor allem vier verschiedene Methoden und Ernährungsvarianten, die in den Foren und Medien am häufigsten herausstechen. Die erste Methode, die ich hier ansprechen möchte, ist die Methode des Heilfastens. Als Diät wird diese Methode sehr häufig bei Erstdiagnosen empfohlen. Das Heilfasten ist eine Jahrtausend alte Tradition, die der Reinigung von Körper, Geist und Seele dienen soll. Diese Methode geht auf den Arzt Otto Buchinger zurück, der dieses Heilfasten als „Diät der Seele“ beschreibt. Diese Methode scheint zunächst sehr wirksam und einfach zu erscheinen. Jedoch bringt dieses Heilfasten aus wissenschaftlicher Sicht überhaupt nichts, wenn man sie als Mittel gegen eine Darmkrebserkrankung anwendet. Viel mehr schädigt sie der Krebserkrankung, da die Ernährung bei dieser Fastenmethode sehr einseitig wird und essenzielle Nährstoffe dem Körper entzogen werden.

Die Krebskur total nach Breuss

Die nächste bekannte Methode ist die Krebskur total nach Rudolf Breuss. Diese Methode basiert auf der Annahme, dass sich die Krebszellen nur von fester Nahrung ernähren. Daher wird empfohlen, bei der Krebskur 42 Tage lang auf feste Nahrungsmittel zu verzichten. Stattdessen soll man nur noch Gemüsesäfte und Tees zu sich nehmen. Ebenfalls sollen alle anderen medizinischen Behandlungen in diesen 42 Tagen ausgesetzt werden. Die deutsche Krebsgesellschaft rät von dieser Ernährungsmethode während einer Krebserkrankung ausdrücklich ab. Die Ernährung ist auch hier viel zu einseitig. Essenzielle Nährstoffe werden dem Körper vorenthalten. Diese Methode führt in den meisten Fällen eher zu weiteren Problemen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass diese Methode wirklich hilft.

Vegetarische und vegane Ernährung

Die wohl bekannteste Ernährungsweise ist wohl die vegetarische bzw. vegane Ernährung. Diese wird in vielen modernen Foren empfohlen, um den Körper während einer Krebserkrankung vor schädlichen Nährstoffen zu schützen. Jedoch ist auch diese Methode nicht sehr effektiv, vielmehr schadet sie dem Körper während einer Krebserkrankung enorm. Zu Beginn verändern die Menschen ihre Ernährung extrem und verlieren dadurch häufig massiv an Gewicht. Eine an Krebs erkrankte Person kann sich einen solchen Gewichtsverlust definitiv nicht leisten. Krebserkrankte sollten ihr Gewicht halten, da der Krebs eine zehrende Erkrankung ist, bei der man viele Mikro- und Makronährstoffe benötigt, um den Verlauf nicht zu beschleunigen oder sogar zu verschlimmern. Jedoch soll die vegetarische bzw. vegane Ernährung im Allgemeinen an dieser Stelle keineswegs geschmälert werden.

Kurzzeit-Fasten kann hilfreich sein

Als Letztes möchte ich noch eine wissenschaftlich gesehen hilfreiche Methode zur Ernährung vorstellen. Diese ist das sogenannte Kurzzeit-Fasten. Diese Methode kann teilweise zu sehr guten Ergebnissen führen. Das Kurzzeit-Fasten beginnt 36 Stunden vor Beginn der Chemotherapie und endet 24 Stunden nach Ende der Chemotherapie. Diese Art des Fastens kann dafür sorgen, dass die krebserkrankten Patienten die Chemo- und die Strahlentherapie besser ertragen. Leider hilft das Kurzzeit-Fasten nicht dabei, das Wachstum des Krebses zu verlangsamen.

Lassen Sie sich beraten

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass jede krebserkranke Person definitiv eine speziell für diesen Fall vorgesehene Ernährungsberatung aufsuchen sollte. Dort wird die Ernährung auf die individuellen Gegebenheiten angepasst. Bedenken Sie einfach, mehr oder auch weniger ist nicht immer besser. Lassen Sie sich von Profis beraten!

Auf meinem YouTube Kanal finden sie auch ein Video zum Thema Long-Covid-Syndrom. Ich würde mich freuen, wenn sie auch dort einmal vorbeischauen würden.