Reizdarm – alles nur Kopfsache? - Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Reizdarm – alles nur Kopfsache?

-Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Viele Menschen sind betroffen

Allein in Deutschland sind ca. 9-10 Millionen Menschen vom Reizdarm betroffen. Ca. 30 % der Betroffenen gehen damit sogar regelmäßig zum Arzt. Dabei haben diese funktionellen Beschwerden des Reizdarmes meist keine organische Ursache. Welche Rolle die Psyche bei der Entstehung des Reizdarmes spielt und ob sich der psychische vom körperlichen Aspekt trennen lässt, darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Die Grundlagen der Entstehung von Reizdarm

Der Zusammenhang zwischen den Reizdarmsymptomen und psychischen Störungen ist sehr gut belegt. Da die Symptome des Reizdarmes meist nur einseitig behandelt werden, unterschlagen wir oft, dass ca. zwei Drittel der Reizdarmpatienten im ersten Jahr der Erkrankung auch psychische Symptome entwickeln können. Dies geschieht aufgrund dessen, dass chronische Magen-Darm-Symptome meist extrem belastend sind. Mittlerweile wird dieser Zusammenhang etwas besser verstanden. Die aktuellen Leitlinien sagen jetzt auch, dass wir als Ärzte bei der Anamnese auch die psychisch-sozialen Faktoren mit erfragen müssen.

Psychische Entstehungsgründe für einen Reizdarm

Das Reizdarmsyndrom wird als Störung der Darm-Hirn-Achse angesehen. Hierzu sei erwähnt, dass wir nicht nur im Hirn, sondern auch beispielsweise im Darm enorm viele Nervenzellen besitzen. Unser Kopf reguliert also nicht nur die Funktion des Darmes, der Darm selbst schickt auch sehr viele Signale an das Hirn. Bei Reizdarmpatienten werden dann gewisse Schmerzsignale anders wahrgenommen. Ohne dass ein physisches Problem besteht, wird ein Schmerzsignal gesendet, das zu einem starken Schmerzgefühl führen kann. Sehr viele Schmerzen werden also wahrgenommen, obwohl auf körperlicher Ebene gar keine Probleme bestehen. Dies nennt man auch Wahrnehmungsstörung.

Auch das Mikrobiom spielt eine sehr große Rolle. Das Mikrobiom kann unser Denken und unsere Wahrnehmung sehr stark beeinflussen. Der Vagus Nerv spielt hierbei ebenfalls eine wichtige Rolle. Er ist einer der stärksten Nerven im Magen-Darm-Trakt. Reizdarmpatienten weisen meist eine Veränderung des Mikrobioms auf. Dadurch bestehen bei ihnen eine ganz andere Verdauungssituation und ein anderer Stoffwechsel. Veränderte Stoffe wie Toxine können durch diese Veränderung des Mikrobioms in den Hirntrakt gelangen und können dadurch unser Denken beeinflussen.

Wie wirkt sich Stress auf den Reizdarm aus?

Wie schon erwähnt ist die Auswirkung des chronischen Stresses auf unser Verdauungssystem sehr gut untersucht. Bei der Forschung hierzu kam raus, dass das CRH Hormon eine große Rolle spielt. Wenn durch chronischen Stress zu viel CRH ausgeschüttet wird, hat das eine Auswirkung auf die Beweglichkeit und Durchlässigkeit des Darmes. Hierin liegt auch die Erklärung, weswegen wir bei akutem Stress häufig Durchfall bekommen. Jedoch spielt nicht nur die Psyche, sondern auch das Umfeld und die Umwelt eine wichtige Rolle bei der Entstehung vom Reizdarm.

Probleme bei der Therapie

Besonders in der Therapie des Reizdarmes vergessen wir häufig den psychischen Aspekt. Dies liegt daran, dass er sehr zeitraubend ist und viele Ressourcen verbraucht. In unserem Gesundheitssystem wird der psychische Aspekt einfach nicht abgebildet. Die Ärzte haben zum jetzigen Zeitpunkt einfach keine Zeit, um so intensiv mit dem Patienten zu sprechen, um der wirklichen Ursache auf den Grund zu gehen. Auch benötigt es extrem viele Ressourcen, die Patienten dazu zu bringen, dass sie ihr Leben so verändern, dass es keine Grundlage mehr für die Entstehung von Reizdarmsymptomen gibt. Wir geben zwar Medikamente, die die Symptome lindern, jedoch ändern diese die Ursache nicht. Daher bedarf es immer einer individuellen Behandlung und auch einer gewissen Eigeninitiative der betroffenen Patienten, dass sie schon von sich aus nach einer psychischen Ursachen suchen, worauf man aufbauen kann.

Auf meinem YouTube Kanal finden sie auch ein Video zum Thema Leaky-Gut und Panda-Test. Ich würde mich freuen, wenn sie auch dort einmal vorbeischauen würden.