Künstlicher Darmausgang - Dr. Eduard Karsten erklärt

Künstlicher Darmausgang

-Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Für viele Menschen ist das Thema „künstlicher Darmausgang“ ein sehr erschreckendes. Immer wieder höre ich auch, dass sie gar nicht darüber sprechen oder manchmal sogar noch nie davon gehört haben, weil das Thema generell sehr selten auftritt. Dabei leben allein in Deutschland 150.000 Menschen mit einem sogenannten Stoma. In diesem Beitrag möchte ich die Hürde für Sie überwinden und darüber informieren, welche Gründe und Möglichkeiten es für einen künstlichen Darmausgang gibt. Ein künstlicher Darmausgang heißt nämlich nicht, dass man ein unnormales und unglückliches Leben führen muss.

Wann braucht man einen künstlichen Darmausgang?

Dies ist wohl die wichtigste Frage. Zunächst muss aber erwähnt werden, dass es zwei verschiedene Arten eines Stomas gibt. Es gibt den Permanenten und den Temporären. Der permanente künstliche Darmausgang wird dann verwendet, wenn eine Kontinuität des Darmes nicht mehr gewährleistet ist. Dies ist beispielsweise nach großen Tumoroperationen der Fall. Hier wird häufig ein Großteil des Darmes entfernt. Daher kann der Darminhalt nicht mehr zum After gelangen. Aber auch bei einer generellen analen Inkontinenz besteht die natürliche Kontinuität nicht mehr. Auch hier ist ein Stoma meist unumgänglich.

Der temporäre künstliche Darmausgang wird vor allem dann angewendet, wenn kurzzeitig keine natürliche Kontinuität gewährleistet werden kann. Beispielsweise ist das nach großen Darmoperationen der Fall. Wurden zum Beispiel bei einer Operation zwei Darmteile aneinandergenäht, wird durch das Stoma eine gute Heilung des Darmabschnittes und der Wunde gewährleistet. Aber auch bei manchen Darmentzündungen oder Verletzungen des Beckenbodens und Beckens ist manchmal ein künstlicher Darmausgang temporär notwendig. Immer, damit sich die betroffenen Stellen erholen und problemlos heilen können.

Wie ist ein solches Stoma aufgebaut?

Wie schon erwähnt gibt es zwei verschiedene Arten von Stoma. Jedoch unterscheiden sich die künstlichen Darmausgänge nicht nur in ihrer Anwendung, sondern auch im Aufbau. Es gibt zum einen den einläufigen Auslauf. Zum anderen gibt es auch noch den Zweiläufigen. Je nach Bedarf wird die jeweilige Variante verwendet. Dies muss individuell für den Patienten eruiert werden.

Die künstlichen Darmausgänge können auch an verschiedenen Stellen des Darms angesetzt werden. Beispielsweise wird das Stoma in manchen Fällen am Dünndarm angesetzt, um den Dickdarm zu entlasten und zu schonen. Wie schon erwähnt ist das individuelle Betrachten und Analysieren des jeweiligen Patienten essenziell, um die richtige Anwendung herauszufinden.

Wie lebt man mit einem Stoma?

Es ist immer wieder eine Herausforderung, ein kontinentes Stoma zu implementieren. Es besteht die Möglichkeit, den künstlichen Darmausgang zu schließen und zu öffnen. Jedoch ist dies technisch sehr schwierig und wird sehr selten umgesetzt. Es gibt aber Hilfsmittel, die eine Kontinenz des Stomas simulieren. Beispielsweise kann der Zugang zum Beutel des Stomas durch eine Platte oder einen Plug für einige Zeit verschlossen und der Beutel abgenommen werden. So ist es den betroffenen Personen möglich, beispielsweise zu schwimmen oder in die Sauna zu gehen. Man kann also wie schon anfangs erwähnt, auch mit einem künstlichen Darmausgang ein nahezu normales und erfülltes Leben führen.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich die Betroffenen überhaupt nicht mit der Situation abfinden können. Vor allem das Selbstbild ist für einige Menschen durch das Tragen eines Stomas stark gebrochen. Manche schämen sich einfach dafür, dass sie von einer solchen Sache betroffen sind. Selten kann diesen Menschen dadurch geholfen werden, dass das Stoma nach innen gesetzt wird und mit dem Enddarm verbunden wird. So ist der Toilettengang relativ normal durchzuführen. Jedoch wird diese Methode sehr selten angewendet. Vor allem weil es sich hierbei um eine sehr schwierige Operation handelt.

Mögliche Risiken durch den künstlichen Darmausgang

Wenn man Träger eines künstlichen Darmausgangs ist, können immer wieder Komplikationen auftreten. Häufig entstehen beispielsweise Hautirritationen. Wenn das Stoma vielleicht nicht hundertprozentig korrekt eingesetzt wurde, können sich die betroffenen Hautstellen durch den Stuhlgang entzünden. In diesem Fall können auch manchmal kleinere Abszesse oder Fisteln entstehen. Immer wieder wird auch von einem sogenannten Stomaprolaps gesprochen. Hierbei kann es passieren, dass sich Schleimhautfalten aus dem Auslauf herauswölben. Bei kleineren Prolapsen können die Patienten meist selbst entgegenwirken. Bei größeren muss eine Operation stattfinden und das Stoma eventuell an eine andere Stelle verlegt werden.

Mit diesem Beitrag möchte ich einfach informieren und sowohl den Betroffenen als auch allen anderen Menschen die Hürde nehmen, um über dieses Thema zu sprechen. Ich hoffe, dies ist mir gelungen.

Auf meinem YouTube Kanal finden sie auch ein Video zum Thema Fertiggerichte. Ich würde mich freuen, wenn sie auch dort einmal vorbeischauen würden.