Beckenbodentraining – darauf sollten Sie achten! - Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Beckenbodentraining – darauf sollten Sie achten!

-Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Ich darf keine genaue Anleitung geben

Ich habe vor Kurzem eine Anfrage erhalten, wie man den Beckenboden effektiv trainieren kann. Ebenfalls wurde die Frage hinzugefügt, ob ich bitte auch eine genaue Anleitung für das Beckenbodentraining geben könne. Da ich kein Physiotherapeut oder Sportmediziner bin, kann und darf ich keine genaue Anleitung geben. Jedoch möchte ich aber erklären, wieso das Beckenbodentraining nicht immer so einfach ist und wie es überhaupt entstanden ist.

Beckenbodentraining mit Kegelübungen

In der Literatur werden die Beckenbodenübungen oft als Kegelübungen beschrieben. Das hat allerdings nichts mit dem geometrischen Kegel zu tun, sondern die Übungen wurden nach Herrn Arnold Kegel benannt. Er war Assistenzprofessor an einer Universität in Süd-Kalifornien. Dort hat er sich in seiner langjährigen Forschungsarbeit dem weiblichen Beckenboden gewidmet. Dabei hat er erkannt, dass die Probleme des weiblichen Beckenbodens sehr vielfältig sind. Meist entstehen sie jedoch aufgrund von vielen Geburten oder auch durch Geburtstraumata. Aber auch die Problematik der Harninkontinenz war Teil seiner Forschungsarbeit. Diese weist erstaunlich viele Ähnlichkeiten zur analen Inkontinenz auf.

Muskeln müssen kennengelernt werden

Kegel hat in seiner Arbeit herausgefunden, dass ein einfaches Beckenbodentraining oft nicht genügt und nichts bringt. Die Betroffenen sind sehr oft frustriert, weil sie keine Erfolge erzielen. Ebenfalls ist es ein Problem, dass sie die Muskulatur im Becken oft gar nicht spüren und so nicht genau wissen, welche Muskeln sie überhaupt bewegen sollen.

Arnold Kegel hat dann also angefangen, die Patientinnen vorher zu untersuchen und die betroffenen Muskelgruppen abzutasten. So hatten die Patientinnen die Möglichkeit, diese Muskeln zu spüren und kennenzulernen. Dadurch wurde ein gezieltes Training ermöglicht, bei dem die Muskeln gezielt angespannt und gelockert werden konnten. Auch mithilfe eines Gerätes, mit dem man die Anspannung des Beckenbodens messen konnte. Durch die Verwendung dieses Gerätes wurde das heutige Biofeedbacktraining geboren. Durch die Kegelübungen wurde eine Grundlage für die heutigen weltweit verbreiteten Beckenbodenübungen gelegt.

Fehlende Wahrnehmung beim Beckenbodentraining

Wie schon erwähnt, fehlt den Patientinnen meist die Wahrnehmung der Muskulatur im Beckenboden. Das hat viele Gründe, wie langes Sitzen, Immobilität sowie Erkrankungen und Traumata. Außerdem liegt das Problem auch darin, dass die Muskelgruppen sehr klein sind. Daher müssen sie sehr lange trainiert werden, damit ein wirklicher Erfolg entsteht.

Leider gibt es nur sehr wenige Physiotherapeuten, die sich mit dem Beckenbodentraining wirklich gut auskennen. Die betroffenen Patientinnen müssen richtig geschult werden. Früher wurden die Muskelgruppen vom Physiotherapeuten mit dem Finger abgetastet und wurden so für die Patientinnen spürbar. Das macht man heutzutage jedoch nicht mehr.

Auch werden heute meist viel zu wenig Trainingsstunden aufgeschrieben. Um wirkliche Resultate zu erlangen, benötigt man jedoch ein längeres Training. Auch wollen die Patientinnen meist gar nicht so lange mit dem Training beschäftigt sein. Viele wollen lieber eine schnelle Lösung wie Anwendungen oder ein analer Tampon.

Meine persönliche Meinung

Besonders am Anfang einer Therapie halte ich von einem Beckenbodentraining relativ wenig. Man kann die Patientinnen aber nach erfolgreicher Behandlung lange den Beckenboden trainieren lassen, damit die Problematiken nicht wieder auftreten. Wenn Sie Fragen zu dem Thema haben, können Sie gerne einen Termin mit uns ausmachen!

Auf meinem YouTube Kanal finden sie auch ein Video zum Thema Sport mit Hämorrhoiden. Ich würde mich freuen, wenn sie auch dort einmal vorbeischauen würden.