Beckenbodenprobleme nach Geburtstrauma - Dr. Eduard Karsten erklärt

Beckenbodenprobleme nach Geburtstrauma

-Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Probleme nach der Geburt

Die Funktionsstörungen, die ich am häufigsten in meiner Praxis zu sehen bekomme, sind die Beckenbodenprobleme nach einem Geburtstrauma. Hier in Deutschland finden jährlich über 800.000 Geburten statt. Leider verlaufen nicht immer alle problemlos und einwandfrei. Daher entstehen immer wieder Geburtstraumen. Hiervon gibt es viele, die meisten sind gynäkologischer Natur. Diese werden meistens direkt bei der Geburt festgestellt und können sofort richtig behandelt werden. Es gibt aber auch immer wieder Geburtstraumen, die sich auf den proktologischen Bereich auswirken.

Proktologisch bedingte Beckebodenprobleme

Diese Probleme treten häufig erst Jahre nach der Geburt auf und werden von den betroffenen Patientinnen nicht der Geburt zugeordnet. Meist entstehen sie aufgrund von bei der Geburt aufgetretenen Dammrissen oder Dammschnitten, die nicht perfekt versorgt und behandelt wurden. An dieser Stelle können Schwachstellen an den Narben entstehen und manchmal wurde auch der Schließmuskel beschädigt. Diese Verletzungen und Schwachstellen können im Normalfall im Ultraschall entdeckt werden. Wir als Proktologen erkennen, dass eine Lücke im Schließmuskel besteht und die Beckenbodenmuskulatur an der betroffenen Stelle etwas geschwächt ist.

Symptome bei Beckenbodenproblemen nach Geburt

Die betroffenen Patientinnen klagen über sehr vielfältige Symptome. Häufig berichten sie, dass sie den Harn zwar im Normalfall halten können, jedoch beim Lachen oder bei Anstrengung sehr darauf achten müssen, dass kein Tropfen rauskommt. Aber auch im proktologischen Bereich treten solche Probleme auf. Die Patientinnen können den Stuhlgang gut zurückhalten, wenn sie aber auf Toilette müssen, dann sollte dies sehr schnell passieren.

Manchmal tritt aber auch das genaue Gegenteil auf. So berichten manche Patientinnen über ein starkes Stuhldranggefühl, obwohl beim Toilettengang keine Entleerung stattfinden kann. Es können aber auch Schmerzen auftreten, die auf bei der Geburt beschädigte Nerven zurückzuführen sind. Diese Schmerzen können auch noch Jahre nach der Geburt auftreten. Leider berichten sehr wenige Patientinnen überhaupt über die Beschwerden und Symptome, da sie sich häufig schämen und nicht darüber sprechen möchten. Dabei ist es wichtig, dass ein Arzt diese Symptome behandelt, um keine weiteren Krankheiten oder Beschwerden entstehen zu lassen.

Untersuchung und Behandlung

Die Ultraschalluntersuchung gibt in der Regel schon die richtige Richtung an, um den Grund für die Beschwerden zu finden. Jedoch muss auch eine Darmspiegelung durchgeführt werden, um eine mögliche Darmkrebserkrankung auszuschließen. Manchmal werden auch radiologische Untersuchungen durchgeführt. So kann vor allem die Funktion des Beckenbodens analysiert und untersucht werden.

Wenn die Untersuchung stattgefunden hat, werden die Patientinnen meist symptomatisch behandelt. Häufig hilft schon eine Stärkung des Beckenbodens, um die Stabilität und die Funktionalität dessen wiederherzustellen. So kann die spontane minimale Inkontinenz meistens verhindert werden. Aber auch eine Ernährungsberatung wird empfohlen, um den Stuhl so zu regulieren, dass er keine große Belastung für die betroffenen Stellen darstellt. Die Schmerzsymptome werden jeweils unterschiedlich behandelt. Hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die den Rahmen an dieser Stelle aber sprengen würden.

Ein Appell

Wenn Sie also von solchen Problemen betroffen sind, sprechen Sie bitte mit einem Facharzt. Sie müssen sich nicht für Ihre Beschwerden schämen, eine Behandlung ist nichts Schlimmes und kann Ihnen sehr helfen. Zum Schluss möchte ich jedoch noch erwähnen, dass eine Rückbildungsgymnastik nach einer Geburt sehr wichtig ist, um derartige Beschwerden gar nicht erst entstehen zu lassen.

Auf meinem YouTube Kanal finden sie auch ein Video zum Thema richtige Analhygiene. Ich würde mich freuen, wenn sie auch dort einmal vorbeischauen würden.