Analfissur - Dr. Eduard Karsten erklärt

Analfissur

-Dr. Eduard Karsten klärt auf!

Erste Worte zur Analfissur

Eine der häufigsten Erkrankungen stellt die Analfissur dar. Die Inzidenz bzw. die Häufigkeit des Auftretens einer Analfissur liegt sowohl bei Männern als auch bei Frauen zwischen 11 und 13 Prozent. Somit sind ca. 11 bis 13 % der deutschen Bevölkerung von einer Analfissur betroffen. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen gerne erklären, was eine Analfissur ist, welche Symptome sie begleiten und wie die Behandlungsmöglichkeiten aussehen.

Definition und Entstehung der Analfissur

Die Analfissur ist ein kleiner Riss in der Schleimhaut des Afters. In ca. 80 Prozent der Fälle befindet sich dieser Riss im unteren Bereich, also auf Höhe des Steißbeines. Etwas weniger als 10 Prozent der Fissuren entstehen von uns aus gesehen auf 12 Uhr, sprich in Richtung der Genitalien. In den restlichen wenigen Fällen befindet sich die Analfissur irgendwo im Bereich um den After.

Um ehrlich zu sein, muss ich sagen, dass die Entstehung der Analfissur stand jetzt noch nicht zu hundert Prozent geklärt ist. Früher dachte man, dass die Fissur aufgrund von festem Stuhl entstehen würde. Wenn die Patienten deswegen zu stark pressen müssen, würde die Schleimhaut an den beschriebenen Stellen aufreißen. Heutzutage weiß man aber, dass bei ca. 25 Prozent der Fälle auch Durchfall etwas mit der Entstehung der Fissur zu tun hat. Auch entzündliche Darmerkrankungen oder stattgefundene proktologische Eingriffe spielen immer wieder eine Rolle bei der Entstehung. Es bleibt also abzuwarten, was die Forschung in den nächsten Jahren herausfindet, um sich hundertprozentig sicher sein zu können. Auf jeden Fall kann gesagt werden, dass die Behandlung der Analfissur nach den Hämorrhoidenoperationen die am zweithäufigst stattfindende proktologische Behandlung darstellt.

Die Symptome

Die betroffenen Patienten klagen normalerweise über Schmerzen beim Stuhlgang. Dieser wird meist als stechend und reißend beschrieben, als hätten sie eine Glasscherbe an der betroffenen Stelle. Der Schmerz kann nach dem Stuhlgang sofort aufhören, aber auch erst nach ein paar Stunden weniger werden. Auch berichten die Patienten häufig von Blut im Stuhl. Meist handelt es sich um helles Blut, das auf dem Stuhl aufgelagert ist. Immer wieder haben die Patienten beim Abwischen auch Blut auf dem Toilettenpapier.

So wird die Analfissur festgestellt und behandelt

In der proktologischen Untersuchung kann die Fissur meistens direkt gesehen werden, wenn die beiden Gesäßhälften auseinandergespreizt werden. Nur in seltenen Fällen müssen Geräte für die Feststellung verwendet werden. Häufig wird die Fissur dadurch deutlich, dass sich Hautfalten gebildet und vor die Fissur gesetzt haben. Dies ist immer ein Zeichen dafür, dass die Fissur schon etwas länger besteht. Wenn die Fissur noch frisch ist und keine derartige Hautfalte besteht, sprechen wir von einer akuten Analfissur. Ist sie schon älter und wird von einer Hautfalte bedeckt, wird von einer chronischen Analfissur gesprochen.

In unserer Praxis sehen und behandeln wir Analfissuren mehrmals am Tag, weswegen wir uns mit der Zeit eine für uns perfekte Behandlungsmethode angeeignet haben. Doch ich möchte Ihnen hier alle möglichen Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen und erklären. Zunächst wird immer versucht, die Analfissur konservativ zu behandeln. Dies ist beispielsweise mit bestimmten Salben möglich. Diese gibt es sowohl chemisch als auch pflanzlich. Durch die Salben wird der Schließmuskel ein wenig betäubt, wodurch die Spannungen und der Druck nachlassen. So kann die Fissur schnell und einfach abheilen. Aber auch die Stuhlregulierung hilft sehr. Hierzu wird empfohlen, mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Am besten sind dafür wasserlösliche Ballaststoffe, damit der Stuhl weich und gleitfähig wird. So wird der Druck beim Stuhlgang weniger und die Fissur reißt nicht weiter auf.

Weitere Methoden der Behandlung

Wenn die konservative Behandlung nicht mit Erfolg gekrönt ist, gibt es auch verschiedene weitere Möglichkeiten. Eine davon ist die Botoxbehandlung. Dabei wird an den Seiten der Fissur Botox in das Gewebe gespritzt. Dadurch erschlafft der Muskel an dieser Stelle und der Druck auf die Fissur lässt nach. Die Fissuren heilen nach dieser Methode in ca. 80 Prozent der Fälle sehr schnell ab. Es besteht aber auch die Möglichkeit einer operativen Methode – die Fissurrektomie nach Gabriel. Hierbei wird das erkrankte Gewebe oberflächlich in Dreiecksform ausgeschnitten und entfernt. Diese operative Methode verspricht eine sehr gute Erfolgsquote von 92 Prozent.

Es gibt aber auch andere Methoden, die allerdings in Deutschland verpönt sind und nicht angewendet werden. Dabei wird beispielsweise der Schließmuskel eingekerbt und zum Teil durchtrennt. Diese Methode hat zwar dieselbe Wirkung wie die Fissurrektomie, jedoch ist diese nicht ganz folgenlos. Früher dachte man, dass bis zu 25 Prozent des Schließmuskels ohne weitere Probleme abgetrennt werden könnten. Heute weiß man aber, dass dabei die meisten Patienten inkontinent werden und ein langfristiger Schaden entsteht.

Wenn Sie also selbst eine Analfissur vermuten oder derartige Probleme haben, dann sprechen sie mit einem Facharzt oder machen direkt einen Termin bei mir!

Auf meinem YouTube Kanal finden sie auch ein Video zum Thema Darmkrankheiten und Covid-19. Ich würde mich freuen, wenn sie auch dort einmal vorbeischauen würden.